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Mar Malade: "Absurder Song, absurder Text"

Die Band Mar Malade bestehend aus Alexander Hauer und Michèl M. Almeida machen verspielten und humorvollen Indie-Pop. Der erste gemeinsame Song "Cabriolet" gab 2020 den Startschuss für die Band. Jetzt haben sie ihr zweites Album veröffentlicht.

Foto: Anna Fechtig

Mar Malade sind mit ihrem neuen Album Balloon zurück. Wie es zu dem Albumtitel kam, wo sie am liebsten ihre Songs aufnehmen und warum sie einen Song über Kokosnüsse geschrieben haben, darüber haben wir mit ihnen am Tag der Albumveröffentlichung gesprochen.


Euer neues Album ist heute herausgekommen. Es ist das zweite Album, das ihr zusammen aufgenommen habt. Wie würdet ihr den Entstehungsprozess des Albums zusammenfassen?


Alexander: Die Idee ein neues Album zu schreiben, kam uns erst, nachdem wir den Song "Balloon" geschrieben hatten. Der ist tatsächlich durch Zufall entstanden. In einer Probe haben wir einen Loop über den Song "Hejo, spann den Wagen an" gemacht. Das hat uns so gut gefallen, dass wir daraus was machen wollten. Daraus wurde dann der Song "Balloon". Als es diesen Song dann gab, haben wir uns gedacht, okay cool, dann machen wir jetzt ein zweites Album.


Michèl: Wenn man die Stimmen bei "Balloon" mutet , dann kann man auch "Hejo, spann den Wagen an" mitsingen (lacht).


Das muss ich mal ausprobieren, ist mir noch nicht aufgefallen. Aber das heißt, euer Album ist um den Song "Balloon" herum entstanden. Hat das Album deshalb den Titel?


Alexander: Ja, zumindest hat uns der Song die Sicherheit gegeben, dass wir nochmal ein bisschen anders klingen als auf dem ersten Album, aber gleichzeitig immer noch nach Mar Malade. Und das Bild des Balloons hat uns gut gefallen und war ein schönes Thema für ein Album.


Michèl: Alex hat auch sofort die Initiative ergriffen und gesagt, lass uns das Album so nennen. Bevor es überhaupt einen anderen Song gab. Es war irgendwie so: Wir machen ein zweites Album, das heißt "Balloon", den ersten Song haben wir und der Rest ergibt sich dann schon.


Steht der Balloon denn eher für eine Reise, die für euch beginnt oder eher für die Reise, auf die ihr uns auf dem Album mitnehmt?


Michèl: Ich glaube beides. Oder alles. Alles, was in das Balloon-Bild passt. Also der kleine Luftballon, den jemand loslässt und der sich dann irgendwie verabschiedet, aber auch der Heißluftballon, in den man einsteigt und eine kleine abenteuerliche Art des Reisens unternimmt.


Alexander: Da gibt's viele Bilder. Letztendlich kann man es auch so sehen: Wir haben den Balloon mit unseren Ideen gefüllt. In dem Song gibt es ja auch die Zeile "Breathing out like a balloon" und das fanden wir als Bild auch gut. So auszuatmen, wie ein Luftballon, aus dem die Luft entweicht.



Bevor ihr zusammen Musik gemacht habt, konntet ihr beide nicht Gitarre spielen, oder? Wie kam es dann dazu, dass nun die Gitarre in vielen Songs eines der Hauptelemente ist?


Alexander: Das stimmt. Also ich konnte es wirklich gar nicht.


Michèl: Ich will jetzt nicht sagen, dass das stimmt (lacht). Ich konnte ein paar Akkorde aber zumindest nicht so gut, dass wir damit auf eine Bühne hätten gehen können. Wir haben das Gitarre spielen dann zusammen gelernt.


Alexander: Dass wir die Gitarre jetzt so oft benutzen, ist eigentlich auch Zufall. Wir haben darin auch einen gewissen Humor gesehen. Vor dem ersten Album haben wir uns oft getroffen, zum Musik machen aber auch einfach so zum Kaffee trinken. Da haben wir total oft Gitarre gespielt, obwohl wir es nicht konnten. Und es ist einfach lustig Gitarre zu spielen, wenn man das nicht gut kann. Ist schwer zu beschreiben, aber wir hatten großen Spaß dabei und dann ist der erste Song für unser erstes Album daraus entstanden.


Generell legt ihr ja großen Wert darauf, dass alle Sounds auf dem Album von euch kommen und nicht irgendwo anders aufgenommen sind. Warum findet ihr das so wichtig?


Alexander: Das ist bei uns keine Philosophie Frage. Der Entstehungsprozess bei den ersten Songs war so, dass wir alles mit unseren Stimmen aufgenommen haben und das Ergebnis fanden wir einfach toll. Wir wollten dann, dass die anderen Lieder auch in diesem Universum stattfinden. Also war es in dem Sinne keine klare Entscheidung für etwas und gegen etwas anderes.


Michèl: Es macht uns einfach Spaß. Diese Idee zu entwickeln, sich selbst die ganzen Elemente zu überlegen, zu gucken, welche Sounds wir erzeugen können und in welche Song die passen. Auf dem ersten Album haben wir zum Beispiel die Atmosphäre eines Bar-Abends zu zweit erzeugt. Das ist einfach lustig und absurd.


Welchen Soundeffekt mögt ihr auf dem neuen Album am liebsten?


Michèl: "Sportsman" ist ein einziger Soundeffekt. Dieser Song ist auch entstanden, weil wir von einem komischen Effekt inspiriert waren, den wir auf ein Mikrofon gelegt hatten. Dadurch haben wir eine Stunde lang an diesem Mikrofon und den Sounds rumgespielt und am Ende kam dann dieser sehr absurde Song heraus.


Alexander: Ja, absurder Song, absurder Text. Mehr Mar Malade geht eigentlich nicht. Also wenn man den Song "Sportsman" hört, ist man genau drin in unserem Writing Prozess. Wir haben ihn dann am Ende auch genauso gelassen. Wir wollten, dass der so bescheuert und lustig ist, wie er ist.


Michèl: Aber es gibt auch noch weitere absurde Sound Effekte auf dem Album. Zum Beispiel bei "Lov Eme", da haben wir eine große Menge an Menschen dargestellt. Der Chor, der am Ende des Songs zu hören ist, das sind nur wir beide. Für den Song haben wir uns auch Hilfe von einer Freundin geholt, die spanisch spricht und das Intro eingesprochen hat.



"Lov Eme" handelt davon, dass sich jemand in die Stimme einer Call Center Mitarbeiterin verliebt und versucht diese Mitarbeiterin wieder zu erreichen. Basiert der Song auf einem realen Erlebnis und glaubt ihr an Liebe auf den ersten Blick?


(beide lachen)


Michèl: Tatsächlich gibt’s bei uns eigentlich fast nie reale Situationen als Grundlage für Songs. Oft denken wir uns einfach Geschichten aus, und überlegen, was ein lustiger Twist wäre. Bei "Lov Eme" war die Idee zu überlegen, was es für eine lustige Sichtweise auf das Thema des Verliebens geben könnte.


Alexander: Das sind oftmals einfach so kleine Geschichten, die wir uns überlegen. Das muss nicht real passiert sein, das ist oftmals Fantasie.


Michèl: Also wenn, dann glauben wir laut dem Song, an Liebe auf das erste Hören. (lacht)


In dem Song "Coco" besingt ihr ja eure Liebe zur Kokosnuss. Wie seid ihr auf diese Gemeinsamkeit gestoßen?


Michèl: (lacht) Tatsächlich ist die Kokosnuss in dem Song nur eine Metapher für eine unerreichbare Liebe. Die Kokosnuss wird da als harte Frucht beschrieben: Harte Schale, süßer Kern. Es ging um dieses lustige Bild, dass die Kokosnuss so unerreichbar ist. Deswegen auch die Textzeile "why you so coco cold".


Michèl: Es fing damit an, dass wir über die Akkorde Cococo gesungen haben, und daraus dann die Idee entstanden ist, dass Coco ja der Name der Frau sein könnte und aber eben auch die Kokosnuss.


Alexander: Bei Mar Malade geht es in den Songs auch einfach oft um Essen und der Song "Coco" war schon ein Spiel damit, dass wir noch einen Track über Essen wollten. Und das ist dann eben die Kokosnuss geworden.


Ein Thema was sich durch das ganze Album durchzieht, ist ja das Thema Einsamkeit. Seid ihr gerne allein oder warum ist das auf dem Album ein so großes Thema?


Alexander: Ich bin tatsächlich nicht so gerne allein. Aber man kann sich auch zu zweit oder in Gruppen einsam fühlen. Ich würde aber zum Beispiel nicht allein in den Urlaub fahren und die Einsamkeit suchen, um alles auf mich wirken zu lassen. Ich brauche es, mit anderen darüber zu sprechen, was ich erlebe.


Michèl: Ich suche auch nicht danach, aber ich finde es auch mal schön. In den Songs ist das aber eher so unbewusst entstanden. Irgendwann hatten wir ein paar Songs und dann stellte sich raus, dass es in den Texten ganz oft um eine einsame Szenerie geht oder um das Alleinsein. Dadurch wurde uns klar, dass das ein Thema sein könnte.


Alexander: Bei "Lonely" zum Beispiel, da geht es ja um jemanden, der alleine auf eine Reise geht oder sich das zumindest ausdenkt, aber es wird nicht ganz klar, ob er das wirklich erlebt hat oder lügt. Aber es geht auch um den Abschied und letztendlich auch um Einsamkeit.


Jede eurer EPs und Alben hat sehr einzigartige Artworks und auch auf eurer Website findet man diese. Wie läuft die Gestaltung eurer Artworks ab? Arbeitet ihr diese selbst aus?


Michèl: Am Anfang haben wir da mit einer Grafikagentur zusammengearbeitet, die auf den Grundlagen meiner Ideen die Artworks umgesetzt haben, aber seit dem zweiten Album mache ich die Grafiken selber. Die Artworks, die es zu Balloon jetzt gibt, die kommen alle von mir selbst. Das Album Cover zum Beispiel. Für uns gehört zu Mar Malade einfach eine bunte, etwas abstrakte und fantasievolle Welt, um die Songs zu bebildern. Und manchmal, wenn wir einen Song schreiben überlegen wir, welches Bild dazu passt. Also es ist nie andersherum.


Wir schreiben immer erst die Songs und überlegen uns dann eine passende Bebilderung dazu. Uns war auch recht klar, dass Balloon ein blaues Cover bekommt, weil das für uns zu der einsamen, vielleicht nächtlichen Stimmung passte. Im Gegensatz zum ersten Album, was eher eine andere Stimmung vermittelt.


Cover: Michèl M. Almeida

Ihr geht im November dieses Jahr auf Tour. Worauf freut ihr euch bei der anstehenden Tour am meisten? Das erste Album ist in der Pandemie herausgekommen, dann ist die Situation dieses Mal vielleicht eine etwas andere, als bei der ersten Tour.


Alexander: Wir freuen uns total drauf, weil die Tour im letzten Jahr schon unfassbar toll war. Wenn es noch besser wird, dann überrascht es mich und freut mich natürlich auch. Was im Vergleich zur ersten Tour besser ist, ist dass wir noch mehr Songs zur Auswahl haben.


Michèl: Bei der ersten Tour wussten wir ja auch noch nicht, wie es wird, und ob alles so funktioniert, wie wir uns das gedacht haben. Jetzt haben wir gemerkt, dass es schön war und dass wir das hinbekommen.


Alexander: Und wir freuen uns beide auch immer über so kleine Überraschungen. Also bei der letzten Tour war es total überraschend, dass die Leute den Song "Ice Cream" so gut konnten, weil wir den ursprünglich gar nicht spielen wollten. Dass den dann alle auswendig kannten, das war schon ein tolles Erlebnis. Beim neuen Album fände ich es wieder total witzig, wenn wieder so ein random Song auf einmal gut ankommt. Also der Song "Goulash" zum Beispiel, wenn da die Leute mitsingen würden, dass wäre schon super witzig.


Gut, das merke ich mir. Also wenn ihr bei eurer Tour jemanden ganz laut "Goulash" singen hört, dann bin das ich.


 

Balloon wurde am 21. April via Humming Records veröffentlicht

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