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Lena&Linus schlummern im "Sekundenschlaf"

Die Wunden beginnen zu heilen. Lena&Linus liefern nach ihrer Debüt-EP direkt die nächste Ladung bittersüßer Zeilen, die einen nicht mehr loslassen.

Lena&Linus
Foto: Malwine Zeiseler

Da hat man sich gerade von den herzzereißenden Worten auf Fühlst du dich allein? erholt, veröffentlichen Lena&Linus schon ihre nächste EP. Während ihre ersten Songs sich allesamt im Trennungs- und Einsamkeitsschmerz bewegten, ist Sekundenschlaf der erste Schritt der Heilung. Weniger einsam, mehr zusammen. Ihre Melancholie haben sie trotzdem nicht verloren.


Die Angst im Rückspiegel


So startet die EP mit Szenen der Geborgenheit. Der titelgebende Opener "Sekundenschlaf" wirft uns hinein in eine nächtliche Autofahrt, auf der das Auto zum sichersten Ort der Welt wird - nur wegen der Person auf dem Fahrersitz.


Der nächste Track ist tatsächlich auf der Autobahn entstanden: Die beiden standen im Stau und haben die Zeit genutzt, um ihren wohl humorvollsten Song zu schreiben. "Komisch" verkörpert das Gefühl, dass man nach einer Trennung einfach ersetzt wurde. Der neue Freund sieht ähnlich aus, macht auch was mit Kunst und spielt in einer Band. Das kann kein Zufall sein. Doch hinter den optimistischen Melodien und den schlagfertigen Worten versteckt sich am Ende vielleicht doch ein bisschen Liebeskummer und die Frage, ob er ihr fehlt. Ihre Mutti vermisst ihn jedenfalls.



Nostalgische Liebe


Mit "Rosarot" folgt darauf direkt der nächste Trennungssong. Wenn man am Geburtstag einen Blick in die Vergangenheit wagt, tendiert man möglicherweise zur Romantisierung. Wieder ein Jahr voller Highlights vorbei. Auch die beendete Beziehung kommt einem gar nicht mehr so schlecht vor, bis man die rosarote Brille wieder abnimmt und in der Realität ankommt. Spätestens hier fällt auf, dass Lena&Linus sich auch musikalisch weiterentwickelt und die akustische Intimität um breite elektronische Sounds erweitert haben.


In "Kino" kehren die beiden aber wieder zu ihren minimalistischen Anfängen zurück: Die harmonierenden Stimmen begleitet von einer sanften Gitarre. Der Song ist ein Déjà-Vue, eine Geschichte der Erinnerung. Zwei Menschen verlieben sich in einem Kino, eine Generation zuvor löst der Ort dieselben Gefühle aus. Inzwischen verlassen, aber die Hoffnung auf Rückkehr bleibt. Doch selbst, als die Details der Person in der "Spielothek" schon längst verblasst sind, ist der Stich in der Brust immer noch da.


„Für meine Mama und mich, hat hier wahre Liebe angefangen“ / Für deine Mama und dich und mich

- Lena&Linus in "Kino"


Die beiden Songs sind die Quintessenz des Talents von Lena&Linus: Lyrisches Kopfkino gepaart mit einer musikalischen Ambivalenz zwischen Leichtigkeit und Schwere, die unter die Haut geht.


Der Kreis schließt sich


All die gebrochenen Herzen bekommen zum Ende der EP ihr Happy End. Nach den vielen einsamen Nächten, wird das Gras durch Würfel ersetzt, das Bett geteilt und das "Brettspiel" zusammen auf dem Boden ausgebreitet.



Lena&Linus ist es mit Sekundenschlaf gelungen, an ihr vielversprechendes Debüt anzuschließen. Statt ihr Erfolgsrezept aus Fühlst du dich allein? nochmal anzuwenden, haben sie sich an einen neuen Stil herangetraut. Weniger akustisch, aber dennoch so persönlich und nahbar wie zuvor.


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