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Sharktank über "Acting Funny", Liveshow-Pannen und Scham

Sharktank - eine unfassbar facettenreiche Band aus Österreich, bestehend aus Marco Kleebauer, Mile Lechner und Katrin Paucz. Mit "Washed Up" landeten sie 2021 in zahlreichen Indie-Playlists und stachen direkt heraus - mit ihrem eigenen Sound und kreativen Looks. Auf ihrem neuen Album Acting Funny lassen sie die Hörer*innen an der Entwicklung einer Person im Laufe des Lebens teilhaben.

Sharktank
Foto: Hanna Fasching

Ich habe mit Katrin einen kleinen Deepdive in das Album gemacht und mit ihr über den Entstehungsprozess, sowie über Scham und Freiheit gesprochen.


Die Entwicklung vom Debütalbum bis heute


In letzter Zeit konntet ihr richtig viele Shows spielen und Erfahrungen sammeln. Hast du einen Moment, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?


Eigentlich war jede Show, die wir spielen konnten, ein kleines Geschenk. Wir haben jetzt im Januar beim FM4 Geburtstagsfest unser erstes eigenes Konzert gespielt. Es macht so Spaß und ist sehr cool!


Eine ziemlich witzige Erfahrung war im Sommer das Campusfest in Regensburg, weil da alles schiefging, was schiefgehen kann (lacht). Das war vielleicht das prägendste Live-Erlebnis: Von Technik- und Stromproblemen bis zu Schwierigkeiten mit meinem Mikro war alles dabei. Unsere Keyboarderin/Gitarristin war außerdem nicht dabei, das war auch ein First. Ich habe auch unabsichtlich mein Kabel zweimal ausgesteckt, weil ich so herumgerannt bin. Dann wurde Mile während der Show von einem Klimaaktivisten überwältigt und das Mikro wurde ihm aus der Hand gerissen. Bei den ruhigsten Songs wurde dann noch gecrowdsurft. Also all over the place, aber es war einfach ultra witzig. Im Nachhinein habe ich mir gedacht: Okay, wenn wir so eine Show trotzdem spielen können, sind wir mit allen Wassern gewaschen (lacht).


Euer Albumcover von Acting Funny ist ziemlich bunt und einige Tiere sind darauf zu sehen - das eine schaut aus wie die Figur "der kleine Maulwurf". Dieses kindliche, naive spiegelt sich ja auch in Songs wie "Chemtrails & Paperplanes" oder "H-A-P-P-Y" wider. Wie kam die Idee zu dem Cover?

Sharktank Acting Funny Cover
Das Cover zu "Acting Funny"

Das Cover hat unser guter Freund Fresh Max gemacht, der auch für die anderen Coverarts zuständig war. Wir mögen das generell nicht, anderen Künstlern etwas vorzuschreiben. Wenn das bei uns jemand macht, finden wir das auch doof. Wenn wir mit Fotograf*innen, Stylist*innen oder eben Artists arbeiten, dann schicken wir einfach die Songs und das, was uns dazu eingefallen ist. Wir meinten zu ihm, es wäre lustig, wenn das Cover wieder so bunt und naiv wäre. Max malt dann meist einfach drauflos und schickt das zurück. In 99,9 Prozent der Fälle geben wir ihm dann Thumbs Up.


Im Vergleich zu eurem ersten Album hebt ihr euch musikalisch beim zweiten schon weiter ab. Man merkt, dass ihr euch weiterentwickelt und mehr ausprobiert habt. Wie hast du das wahrgenommen?


Das erste Album ist mehr oder weniger spontan entstanden und wir haben uns alle auch gar nicht so gut gekannt. Ich habe Marco erst beim allerersten Fotoshooting das erste Mal gesehen, wo wir schon zwei Songs hatten.


Wenn man sich nicht so gut kennt, gibt es natürlich anfangs eine gewisse Schamgrenze. Vor allem, wenn es um intime Sachen geht, wie texten oder singen. Ich bin eine eher schüchterne Person. Wenn da nur drei Leute sind, die einen genau anschauen, wenn man etwas präsentiert, ist das ein bisschen cringe. Aber die beiden haben mir ein so gutes Gefühl gegeben, da hat sich diese Schamgrenze gelegt. Wir haben im Sommer auch so viel Zeit miteinander verbracht. Ich finde, man hört das auf dem zweiten Album, dass wir uns einfach mehr vertrauen und die Hemmungen gefallen sind.


Als wir die ersten zwei Tracks "Busy" und "Acting Funny" aufgenommen haben, hat uns gestört, dass es ziemlich wie das Debütalbum klingt. Wir wollten aber soundtechnisch etwas Neues probieren und haben uns dann aktiv zusammengesetzt und ein paar Punkte gesammelt. Wir gehen ins Studio, denken nicht viel nach, machen erst mal und schauen, was passiert. Das ist auch nach wie vor so. Aber ich glaube, der große Unterschied ist einfach, was danach passiert ist.


Beim ersten Album haben wir die Songs nicht mehr groß verändert. Bei "Never Ever Ever" habe ich etwas neues ausprobiert und quasi geschrien. Normalerweise habe ich so einen Mikroständer vor mir, aber hier hat Marco mir ein Mikro in die Hand gedrückt und mir vorgeschlagen zu schreien.


Die Experience war total cool und anders: Ich habe mich auch in den Raum gestellt und einfach mal ein bisschen getanzt und mich bewegt. Normalerweise mache ich das nicht, weil ich immer voll fokussiert darauf bin, die Töne zu treffen, aber das war in dem Moment einfach egal. Da ging es viel mehr um Energy. Ich glaube, das ist auch ein Thema, was sich durch das Album zieht - insgesamt viel mehr Energie und Attitude.



In "Chemtrails & Paperplanes" geht es um den naiven Umgang mit dem Klimawandel. Ihr habt auch schon auf Fridays For Future Demos gespielt. Aus welcher Intention ist der Song entstanden?


Mile hatte den Text und die Melodie eigentlich schon ziemlich fertig. Wir fanden das so cool, dass wir um das herum quasi einen Zaun gebaut haben. Da habe ich das erste Mal zu einem Synthesizer gegriffen. Ich kann auch überhaupt nicht Klavier spielen! Ich habe dann darauf herumgedrückt und gehofft, dass es die richtigen Töne sind (lacht). Da habe ich dann noch meinen Part draufgesungen.


Es geht eben, wie du schon meintest, um diesen naiven Zugang zum Klimawandel - teilweise auch den Denial, dass man es nicht wahrhaben will. Nach dem Motto: Nicht mein Problem, sollen die anderen sich doch drum kümmern. Leider haben sehr viele Leute diese Attitude. Der Song ist nicht so ganz "in your face", sondern etwas subtiler.


Von Selbstermächtigung und Scham

Sharktank
Foto: Hanna Fasching

"Never Ever Ever" und "Shame" behandeln Themen wie Selbstakzeptanz und Selbstbestimmung. Was hilft dir, wenn du dich mal mit dir selbst nicht so wohlfühlst?


Ich ziehe mir dann oft ein Outfit an, wo ich weiß, das ist chillig und in der Hose kann ich sitzen, ohne dass ich einen Knopf aufmachen muss. Ich versuche dann einfach in meinem cozy Outfit meinen Tag zu leben. Vielleicht mache ich mir dann einen geilen Tee und versuche wieder zu mir zu finden. Ich glaube, das wichtigste, wenn man sich so entfernt von sich selbst fühlt, ist einfach atmen und schauen, wo man gerade steht und das dann versuchen zu erkennen.


Zum Thema Scham: Dadurch, dass ihr euch jetzt besser kennt, wie du bereits erzählt hast - traust du dich jetzt mehr, den anderen deine Songs oder Ideen zu präsentieren oder wie geht's dir damit?


Dadurch, dass wir uns persönlich besser kennengelernt haben, fällt diese Scham total. Und die Jungs sind so coole Musiker und haben so gute Ideen und Geschmack. Wenn es dann heißt: "Katrin, deine Line ist cool" - dann kann ich auch darauf vertrauen, dass es eine gewisse Qualität hat und andersherum genauso. Dadurch, dass es auch immer, wenn man was einspielt oder einsingt, direktes Feedback gibt, holt das einen total schnell wieder runter, wenn man sich unsicher ist. Gegenseitiges Vertrauen ist einfach voll wichtig.


In welchen Momenten fühlst du dich am freisten oder schamlosesten?


Ich glaube tatsächlich beim live spielen. Wir haben seit neuestem auch andere Outfits und wenn ich dann meine hohen Schuhe, meinen Pelzmantel anziehe und meine Haar-Extensions reinmache, dann bin ich wie transformiert. Das macht schon total Bock, einfach alles loszulassen und seinen Job zu machen. Es ist auch immer mega cool zu sehen, wer hinter den ganzen Streams und Likes steckt und unsere Musik hört. Man hat dann auch direkt Feedback, wie im Studio. Das gibt mir viel Sicherheit.



Die Skits, die auf dem Album zu finden sind, sind wie kurze Sprachmemos aufgebaut und mit Uhrzeiten versehen. Sie verbinden in irgendeiner Weise die Songs und erzählen eine Story. Warum war es euch wichtig, die unbedingt auf dem Album zu haben?


Unsere ursprüngliche Idee fürs Album war eigentlich eine Art von Radioshow zu machen. Dann haben wir versucht, einen Radio-Jingle aufzunehmen. Danach haben wir gesagt, dass wir lieber keine Radiosendung machen (lacht).

Aber wir fanden die Idee von einer durcherzählten Geschichte eigentlich ziemlich cool. Thematisch geht es in dem Album um eine Transformation, eine Entwicklung, die man im Leben durchmacht. Die Sprachmemos sind von einer Freundin von Mile, die Radiosprecherin ist. Sie hat eine total angenehme Stimme und kann voll gut diesen Valley-Girl-Akzent nachmachen, den wir haben wollten. Diese Durcherzählung hält das zusammen - wie ein roter Faden.


An welchem Song habt ihr denn am längsten gesessen?


Bei "Acting Funny" und bei "Shame" gab es sehr viele Versionen. Marco hat sich bei "Acting Funny" viele Gedanken über den Drum-Sound gemacht und sich tagelang hingesetzt, um den perfekten Sound zu finden. Ich weiß noch, dass fünf Tage lang immer jeweils eine Version kam, die teilweise minimale Unterschiede hatte. Aber der Song klingt nun genau so, wie wir ihn im Kopf hatten.


"Shame" hat auch mal total anders geklungen. Jetzt gibt es den Synthie-Klang, den Marco auch erst später eingespielt hat. Das hat dem Song dann dieses gewisse Extra, ein Sahnehäubchen gegeben.

 

Acting Funny wurde am 24. März via Humming Records veröffentlicht.



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