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Neustart als HAVET: Mimi & Josy im Interview

Mimi & Josy haben sich neu erfunden. 2019 sind die beiden Schwestern mit ihrer Blind Audition bei The Voice Kids viral gegangen, drei Jahre später haben sie nun ihre erste EP Mamas Lullaby unter ihrem neuen Künstlernamen HAVET veröffentlicht.

Mimi und Josy
Foto: Robert Brundo

Ich weiß noch genau, wie ich damals begeistert vor dem Fernseher saß und den Auftritt immer und immer wieder auf YouTube angesehen habe. Umso mehr freue ich mich, dass die beiden mir nun in bester Laune auf meinem Laptop gegenüber sitzen. Wir sprechen über ihren Neustart nach der Castingshow, Druck durch TikTok, die Livebranche in der Krise und natürlich über die Debüt-EP Mamas Lullaby.


Neustart als HAVET


Die meisten Leute kennen euch noch von The Voice Kids, das ihr 2019 gewonnen habt. Was habt ihr denn seitdem so getrieben?


Josy: Wir haben seitdem fleißig an der Entwicklung unseres Sounds gearbeitet. Wir waren oft im Studio, haben sehr viele Songs geschrieben und sie dann mit Klaus Sahm und David Thornton, unseren Producern, umgesetzt. Wir hatten schon ziemlich genaue und klare Ideen, wie die Songs klingen sollten, aber wir haben am Ende daran gearbeitet, ein Soundbild zu finden, das Mimis und meine Vorstellungen und Herangehensweisen vereint.

Mimi: Wir haben auch ein supergutes Management gefunden und überlegt, wie es für uns weitergehen soll. Es ist also einiges im Hintergrund passiert.

Ihr habt in der Zwischenzeit auch drei Songs unter dem Namen Mimi & Josy veröffentlicht. Jetzt habt ihr mit eurem neuen Künstlernamen HAVET einen Neustart gewagt. Wann habt ihr gemerkt, dass ihr so weit gereift seid, um diesen Schritt zu gehen?

Mimi: Das war relativ pragmatisch, als wir die EP fertig hatten. Dass wir unseren Namen ändern wollten, stand schon vorher im Raum. Wir wollten die EP, wenn wir schon neue Musik und eine neue Seite von uns zeigen, auch unter neuem Namen veröffentlichen.

Es gab doch bestimmt vor allem am Anfang auch ein paar zwielichtige Leute aus der Musikbranche, die an eurem Erfolg anknüpfen wollten. Wie seid ihr damit umgegangen?

Mimi: Dadurch, dass wir so neu und unerfahren in dem Business waren, haben wir auch mit ein paar Leuten zusammengearbeitet, die nicht so gut zu uns gepasst haben, die aber trotzdem super Arbeit geleistet haben. Bei vielen hatte ich das Gefühl, dass sie unseren Namen ausnutzen und Musik mit uns machen wollen, die gut radiotauglich ist, um schnell den Hype mitzunehmen. Aber das war nicht das, was wir wollten und wir sind auch sehr zufrieden damit, dass wir jetzt doch recht lange gewartet haben, bis wir unseren eigenen Stil gefunden haben und da voll dahinterstehen.

Ich finde man merkt auch direkt, dass die EP wirklich euer eigener Stil ist. Schon bei eurer ersten Single "Child" ist mir aufgefallen, dass ihr euch krass weiterentwickelt habt.



Die Schattenseiten des aktuellen Musikbusiness


Welche Vorteile und welche Nachteile hat es denn für euch gehabt, schon so jung bekannt geworden zu sein?

Mimi: Ich würde sagen, dass es überwiegend Vorteile für uns hatte. Wir sind auch so dankbar dafür, dass wir diese Chance und dieses Sprungbrett hatten. Aber es ist auf jeden Fall auch nicht immer leicht, wenn man so jung im Rampenlicht steht. Da gab es schon ein paar unangenehme Erfahrungen, wo wir zum Teil von Menschenmassen bedrängt wurden.

Josy: Man muss vor allem bedenken, dass das von einem auf den anderen Tag passiert ist, es kam alles auf einmal. Das war sehr schwer zu verstehen, was da überhaupt abgeht.


Wie viel Druck verspürt ihr, vor allem jetzt mit eurem ersten wichtigen Release?

Mimi: Ich würde jetzt nicht sagen, dass wir Druck haben. Aber es ist für uns ein bisschen herausfordernd, auf Social-Media so präsent zu sein und die EP zu promoten. Wir sind total dankbar, dass wir so eine tolle Plattform und Community dafür haben. Das, was uns Spaß macht, ist aber die Musik, und an Social-Media dranzubleiben kann deshalb teilweise schwierig werden.

Josy: Heutzutage ist es einfach klar, dass man als Musiker gleichzeitig Social-Media-Präsenz haben muss, weil man sonst durch diese Masse an Musik nicht durchkommt, weil vor allem auf TikTok so viel Content entsteht.

Man wiederholt sich ja dann auch die ganze Zeit und muss den Leuten immer und immer wieder den Song zeigen.

Mimi: Ja! Irgendwann denkt man sich dann auch, die Leute haben das jetzt schon verstanden, dass das unser neuer Song ist (lacht). Wie viel soll ich denn noch machen? Das ist schon lästig, aber es gehört einfach dazu.

Josy: Ich bin eigentlich der großen Überzeugung, dass man seine EP nie genug pushen kann. Ich werde die Songs wahrscheinlich noch in drei Jahren in meiner Story reposten (lacht).

Ihr musstet euer geplantes Releasekonzert wegen zu weniger Ticketverkäufe absagen. So geht es gerade vielen Künstler*innen, einige geben aber andere Gründe an. Warum habt ihr euch dazu entschieden, ehrlich zu sein?


Mimi: Einfach, weil es wirklich so ist, dass ganz viele Leute aus diesem Grund absagen müssen. Wir fanden, dass es dem Problem nicht weiterhilft, wenn man es nicht anspricht. Der einzige Weg, das zu ändern, ist, dass die Leute das wissen und wieder mehr Karten kaufen. Ich verstehe, warum man das als Künstler sagt, denn das ist schon auch mit einem Schamgefühl verbunden. Man denkt, boah, das liegt an mir und die Leute sind nicht interessiert an meiner Musik, aber das stimmt halt einfach nicht. Das passiert so vielen Leuten und das nicht anzusprechen, macht das ganze nur noch schlimmer.


Josy: Dieses Schamgefühl sollte auch gar nicht da sein. Momentan denken sich alle, wenn ich auf ein Festival gehe, kann ich mir ganz viele Künstler auf einmal anhören und nur wenige achten darauf, kleine Künstler mit ihren eigenen Konzerten zu supporten, was nach Corona auch verständlich ist.

Die Branche steckt immer noch in der Krise und so viele wissen das nicht. Ich finde es auch für Künstler*innen wichtig, dass man das kommuniziert, um sich nicht so allein damit zu fühlen.

Mimi: Ja voll! Deswegen wollten wir das auch so machen.


Die Debüt-EP Mamas Lullaby

Dann kommen wir aber mal auf die besagte EP zu sprechen. Was ist denn für euch das zentrale Thema von Mamas Lullaby?

Josy: Wir hatten eine riesige Anzahl an Songs und durch unsere Kombination der ausgewählten Lieder ist dann das Thema entstanden. Uns ist schnell aufgefallen, dass die EP wie ein kleiner Coming-of-Age-Film ist - mit ganz vielen Situationen und Gefühlen, die einem begegnen, wenn man älter wird.

Mimi, ich habe gesehen, dass du sehr gerne liest. Welchen Einfluss hatte das auf einen Song wie "Old Love"?

Mimi: Ich habe tatsächlich, vor allem als ich jünger war, sehr viele romantische Bücher gelesen. Ich bin mir auch bewusst, dass die unrealistisch sind (lacht), aber man hat dann irgendwie doch diese Idee von dieser altmodischen Art von Liebe. Tatsächlich haben mich zu "Old Love" aber viel mehr meine Großeltern und Eltern inspiriert, weil man in unserem Familienumkreis viele Paare sieht, die so gut funktionieren - meine Großeltern sind zusammen, seit sie 16 Jahre alt sind.

In "Old Love" habt ihr die perfekte Liebe dargestellt, in "Toxic" dagegen eine toxische Beziehung. Warum habt ihr diese beiden Seiten von Beziehungen auf der EP verarbeitet?

Josy: Dazu kam es einfach, weil die zwei Songs am Ende in unseren Top 5 waren. Am Ende des Tages bin ich damit voll glücklich. Ich finde das schön, diese romantisierte Art von Beziehung zu portraitieren, aber gleichzeitig ist es leider wirklich oft so, dass es auch narzisstische und toxische Menschen gibt. Mit beiden Seiten auf der EP können sich auch mehr Menschen damit identifizieren.

In "Mamas Lullaby" geht es um die Geborgenheit, nach der man sich in manchen dunklen Momenten sehnt. Welcher Moment war der Auslöser für diesen Song?

Mimi: Das war jetzt kein konkreter Auslöser, sondern einfach dieses generelle Gefühl. Das hat glaube ich jeder schonmal erlebt, dass man sich nicht gut fühlt und sich dann an wen oder was auch immer wendet, das einem da raus hilft.

Josy: Das ist auch der einzige Song auf der EP, den wir von Anfang an zusammen geschrieben haben. Normalerweise schreiben wir unsere Songs einzeln und gehen dann zusammen ins Studio und bearbeiten sie gemeinsam, aber bei dem Song gab es eine ziemlich klare Skizze, die wir vorproduziert haben. Den Beat von "Mamas Lullaby" haben wir da zum Beispiel eigentlich nur als Platzhalter reingehauen, aber der ist dann im Endeffekt ein bisschen verändert dringeblieben.



Does teamwork make the dream work?


Wie ist es denn bezüglich Diskussionen mit seiner Schwester zusammen zu arbeiten?

Josy: Wir sind wie alle anderen Geschwister, also wir kriegen uns gerne und oft wegen dummen Kleinigkeiten in die Haare. Aber es hat natürlich auch Vorteile mit seiner Schwester zusammen Musik zu machen, weil wir halt beide fett Bock haben (lacht). Vor allem haben wir beide sehr unterschiedliche Herangehensweisen beim Songwriting und verschiedene Inspirationen. Es ist oft cool, die zwei Styles zu kombinieren und Ideen von beiden Seiten zu bekommen. Aber es ist natürlich auch schwierig, weil so unterschiedliche Einflüsse herum schweben.

Mimi: Was ein ganz pragmatischer Vorteil ist: dass wir nie allein sind. Also wenn wir irgendwo hinfahren müssen, aufnehmen oder Konzerte spielen, dass wir da nicht alleine hin müssen. Man hat da immer noch so eine andere Person dabei...

Josy: … die auch zufällig deine Schwester ist (lacht).

Wie viele Songs haben es nicht auf die EP geschafft, weil es nur einem von euch nicht gefallen hat?

Mimi: Da gab es schon echt viele (lacht)! Wir haben so viele Songs geschrieben, da waren einige dabei, die nur einem gefallen haben. Wir wussten, dass fünf die Anzahl sein wird, deswegen mussten wir uns irgendwie darauf einigen. Aber ich würde sagen, wir hatten beide noch so zwei, drei andere Vorschläge, die es letztendlich nicht geworden sind.

Josy: Was aber das Schöne ist, ist, dass wir uns bei den letzten fünf Songs beide gleich sicher waren. Aber es hat schon echt gedauert, bis wir dahin gekommen sind.

Ich habe gelesen, dass ihr auch an eigenen Projekten arbeitet. Josy, du als Produzentin, Mimi du würdest gerne auch mal für andere Songs schreiben. Mit wem würdet ihr denn gerne zusammenarbeiten?

Mimi: Ich bin riesiger Fan von Ethan Gruska, der ist Produzent und Musiker. Ich finde seine komplette Arbeit, ob allein oder mit anderen Künstlern, so gut, also er ist eine große Inspiration für mich. Wenn ich mit ihm zusammenarbeiten könnte, dann hätte ich alles erreicht (lacht).

Josy: Wenn er mit dir zusammenarbeiten könnte, Mimi (lacht)!

Das ist das Mindset, das wir brauchen! Und du, Josy?

Josy: Viel zu viele. Ich habe voll Bock, mit mehr Künstlerinnen zusammenzuarbeiten, vor allem mit Produzentinnen, weil da gibt es viel zu wenige, die genug Anerkennung bekommen.

Und zum Abschluss interessiert mich natürlich auch, wie es um eure gemeinsame musikalische Zukunft steht. Was ist da so geplant?

Mimi: Wir haben jetzt keine konkreten Pläne, aber wir wissen, dass wir auf jeden Fall weiter Musik machen wollen und noch mehr zusammen veröffentlichen werden. Gleichzeitig wollen wir auch unsere eigenen Projekte nebenherfahren. Wir haben richtig Lust, unsere EP live zuspielen. Wir sind uns aber sicher, dass wir weiterhin Musik rausbringen wollen – ob das jetzt aber Singles werden, oder wir sogar ein Album schaffen… wer weiß (lacht).


 

Mamas Lullaby wurde am 11. August via HAVET veröffentlicht.

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