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Cover me, baby! Die 5 besten Indie-Cover

Ein Cover ist wie ein musikalischer Zaubertrank: Man wirft ein Lied hinein, gibt ein paar neue Zutaten dazu und voilà - alles ist möglich. Heute geht es um die fünf besten Coverversionen, die die Indie-Szene aktuell zu bieten hat. Wer konnte sich auf den ersten Platz zaubern?


Collage Die besten 5 Indie-Cover-Songs

Im Hexenkessel


In der geradezu endlosen Welt der Musik ist das Covern längst mehr als nur eine Hommage an die Originalkünstler. Cover-Songs sind eine Kunst für sich. Mit jedem unbekannten Klang entsteht neue Musik und dem Song wird eine individuelle Geschichte eingehaucht. Oft kommen unerwartete Instrumente ins Spiel, der Text wird neu interpretiert oder direkt in ein fremdes Genre übertragen. Wenn die Künstler das Original dann in ihren eigenen musikalischen Kosmos übertragen, wird es richtig interessant.


Für den Hörer sind Cover dann nicht nur eine Chance, alte Klassiker wieder zu entdecken, sondern auch, um sich für die noch unbekannten Interpreten zu begeistern. Millionen von Menschen erging es so zum Beispiel mit AnnenMayKantereit und den Giant Rooks, die mit ihrem Cover von Suzanne Vegas "Toms Diner" viral gegangen sind. Und falls wir einen Track ursprünglich nicht mochten, stellen wir durch eine Cover-Version manchmal fest: Der hatte ja doch Potenzial!


Hier also nun meine Top 5 Indie-Cover von Songs, die wirklich jeder kennt. Zum verlieben - oder neu verlieben...


 

Platz 5: Morgan Harper-Jones - I wanna dance with somebody (Who loves me) (Whitney Houston)



Wir alle wissen: Whitney Houstons Originalversion bringt uns dazu, tatsächlich mit ihr die Tanzfläche zu erobern und unsere besten Moves auszupacken. Mit Morgan Harper-Jones dagegen will man eher weinen. Ihre Art, den Song zu singen, stellt die Einsamkeit ins Scheinwerferlicht. Der mehrstimmige Chorus geht vollkommen in einem Gefühl der Leere auf und eine ebenso einsame Akustikgitarre begleitet sie dabei. Mit ihrer verletzlichen Stimme schafft Morgan Harper-Jones es, Gefühle in uns auszugraben, die wir ganz tief verbuddelt haben.


Je nach Stimmungslage haben wir jetzt also die Wahl, wem wir lieber zuhören: Der Freundin, die nach einem Break-Up glücklich ist, single zu sein (oder es zumindest vorgibt) und tanzen gehen will - oder der Freundin, die ihren Schmerz mit uns teilt.


Platz 4: Phoebe Bridgers - Friday I’m In Love (The Cure)



Bridgers erzählte dem Rolling Stone Magazin, dass die Wurzel all ihrer Cover-Songs die Texte seien: "If you can unwrap it and at every level the lyrics are still amazing, that's great.” Der 90s Hit "Friday I’m In Love" sei einer der wenigen Songs, der sie immer in eine gute Stimmung versetzt. Das kann man von Bridgers' Version nicht gerade behaupten.


Im Kontrast zur Alternative-Rock Band The Cure, liefert sie eine zurückhaltende Version mit zarter Klavierbegleitung. Eine eher stille Liebeserklärung durch hauchenden Gesang, der einem nahe geht. Auch das Outro gestaltet sie etwas anders: Im Original von The Cure sind dort etwas merkwürdige, quietschende Töne zu hören. Auf diese verzichtet Bridgers zum Glück.


Platz 3: The Native - Wildest Dreams (Taylor Swift)



We all love Taylor, her songs are always playing in the van when we’re on tour. ‘Wildest Dreams’ is the track we always turn the volume up to when it comes on, we hope we did it justice.” 

Die fünfköpfige Band aus Großbritannien hat sich also an den Song der Pop-Ikone Taylor Swift herangetraut und daraus explosiven Indie-Rock gemacht. Typische Rock-Instrumente geben "Wildest Dreams" eine gewisse Intensität und machen den träumerischen Song so real, so greifbar.


Treibende Drums im Chorus sorgen für Dramatik und die Bridge wird sogar komplett durch schrammende Gitarren ersetzt, die Taylors Gesang imitieren. Auch gesanglich steht die Version von The Native dem Original in nichts nach. Ein paar wenige subtile note changes verleihen dem Cover das gewisse Etwas. An alle, die mit dem Original bisher nicht viel anfangen konnten: Vielleicht gebt ihr The Native eine Chance.


Platz 2: Angie McMahon - Knowing Me, Knowing You (ABBA)



Wenn wir Angie McMahon zuhören, verschwenden wir keinen Gedanken mehr an ABBA. Denn sie macht den Song komplett zu ihrem eigenen.


Emotionale Balladen sind für die australische Sängerin nichts Ungewöhnliches. Für einen ABBA Song fühlt sich die Menge an Melancholie, die McMahon in ihrem Cover verpackt, allerdings fast fremd an. Von Trennungsschmerz, worauf die Lyrics eigentlich hindeuten, ist im Original nicht viel zu hören. McMahons Interpretation von "Knowing Me, Knowing You" dagegen, verleiht dem Song eine einzigartige Note, die perfekt in das Gesamtbild passt.

We just have to face it/ This time we're through/ Breaking up is never easy, I know/ But I have to go

Ihre Version präsentiert sie live beim australischen Radiosender Triple J und redete im Interview darüber, warum sie es so sehr liebt Songs zu covern: "There's just so many wonderful songs and melodies that have been written. I like writing songs, I really do but also sometimes I’m just stealing from other songs and I might as well just sing their one. It's already really good."


 

Bevor wir zu Platz 1 kommen, zuerst noch ein paar honorable mentions, die es nicht in die Top 5 geschafft haben:

Medaille

Sweater Weather - Myles Smith (The Neighbourhood)

Wouldn’t It Be Nice - Kate McGill (The Beach Boys)

Hold On, We’re Going Home - Arctic Monkeys (Drake)


 

Platz 1: SYML - Mr.Sandmann (The Chordettes)



SYMLs Cover von Mr.Sandman ist das perfekte Beispiel dafür, wie schnell sich die gesamte Bedeutung eines Songs scheinbar ändern kann. Im Original aus den 50er Jahren singen vier Frauen (The Chordettes) A capella einen unschuldigen, fast schon naiv klingenden Text:

"Mr. Sandman, bring me a dream (bung, bung, bung, bung) Make him the cutest that I've ever seen (bung, bung, bung, bung)"

Dieselben Lyrics tragen bei Brian Fennell (SYMLs bürgerlicher Name) ein ganz anderes Gewicht: Wenn er die Worte singt, klingt es, als wäre er besessen von der Idee einer "perfekten" Person, die er in seinen Traum beschwören will. Der Sandmann erscheint uns als mystische Figur, die sich immer nachts herausschleicht. Dem Atwood Magazin erzählt Fennell: "I thought it was an intriguing choice because of the bubblegum-happy feel of the original. When I was working on it, I was moved by how desperate and dark the lyrics actually felt when you slowed things down"


Für mich ein absolut verdienter Platz 1!

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