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„Also bin ich“: Dillas facettenreiches Debütalbum

Dilla präsentiert auf ihrem Debüt-Album Also bin ich neben selbstironischen Lobeshymnen und Liebessongs auch tiefgängige Themen. Sie zeigt ein weiteres Mal ihre vielfältige und facettenreiche Musikproduktion, bei der der Spaß hörbar im Vordergrund steht.

Pressefoto Dilla "Also bin ich"
Foto: Niren Mahajan

Willkommen zur Dilla-Show


Inzwischen sollten es alle verstanden haben: Dilla ist ein omnipräsenter musikalischer Werkzeugkasten, der sich in keine Schublade stecken lässt. Und das schöne ist, dass sie sich darüber mehr als bewusst ist. Selbstsicher und ein wenig selbstironisch heißt uns das Intro von Also bin ich zur Dilla-Show willkommen, wie schon im Musikvideo zur ausgekoppelten Single "Teen". Charakteristische Musikproduktion in der einen Hand und ein Händchen für zeitgemäßes, eingängiges und geschicktes Songwriting andererseits tragen uns durch zehn Songs und gewähren uns einen tiefen Einblick in ihre Emotionen.



Also bin ich


René Descartes "Ich denke, also bin ich" gilt für Dilla nicht wirklich. Schnell wird klar, dass es bei den Tracks eher um das Erleben von Gefühlen geht. Dabei tanzt sie thematisch von ihrem angeborenen Starpotenzial weiter zum jungendlichen Verknalltsein, nimmt sich Zeit "Allein", beschwert sich über nervig perfekte Leute, erkennt mütterliche Sorgen an, singt von Liebe, Philosophen und natürlich über den Mensch an sich. Besonders stechen jedoch die Tracks "Licht" und "Ohne dich (24h)" aus allen Singles heraus: Wo Dillas Produktionen sonst immer eher leicht und unterhaltsam die schönen Seiten des Lebens abdecken, traut sie sich auf ihrem Debütalbum an ihren Schmerz heran. Den Verlust ihrer Großmutter und das Liebeskummergefühl verarbeitet sie auf eine sehr ehrliche, persönliche, aber doch nahbare Art.


"Klingt billig und auch einfach nicht so gut"


Wie in den Themen überrascht das Album auch mit der Produktion. Also bin ich zeigt facettenreiche Pop-Songs, im Stil der Neuen Neuen Deutschen Welle, bei dem jeder Track einen besonderen Klang hat. Dafür nutzt Dilla unter anderem musikalische Klassiker in eigener Manier: In "Ohne dich (24h)" greift sie in den Backgroundvocals das Pachelbel-Muster auf, in "Mama" bedient sie sich an Queens "Bohemian Rhapsody". Zwar entfernt sie sich von ihren eher technoiden Anfängen, bleibt jedoch durch ihr einzigartiges Verständnis von Harmonien und Synthesizer immer wiedererkennbar - und natürlich auch durch ihre charakteristische Stimme. Unterstützung bekommt sie auf "Allein" von TimmyT und für den weiterentwickelten Album-Sound hat sie sich sogar den Produzenten Dennis Neuer dazu geholt, anstatt auf komplette Solo-Produktion zu setzen. Spätestens jetzt ist ihre Spotify-Bio "klingt billig und auch einfach nicht so gut" endgültig überholt.


Ich hab' mich nicht verlor'n, doch muss mich immer wieder finden / Mach dir keine Sorgen (Diesen Weg geh' ich) / Allein, allein

- Dilla & TimmyT in "Allein"


"Underground Schlagersound"


Das Album macht ebenfalls klar: Dilla ist weitaus mehr als nur ihr selbstbetitelter "Underground Schlagersound": Sie trifft den Zeitgeist einer musikalisch breitgefächerten Generation, irgendwo zwischen Rock, Pop und Techno. Sie ist ein feministischer Lichtblick in einer männerdominierten Musikbranche mit erfrischenden Ideen und einem sympathischen Auftreten - und sie hat ein verdammt gutes Debüt-Album geschrieben. Sie lässt uns ganz ohne Erfolgsdruck in ihre Gefühle blicken und teilt das, was sie bewegt und für relevant erachtet.


Sie macht sich das Leben, wie es ihr gefällt und gleicht einer modernen Pipi-Langstrumpf. Egal, ob ihr zugiges Zimmer in Berlin keine Villa ist: Dilla ist ein Star. Das weiß sie und das wissen wir jetzt auch.

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